ZIVILCOURAGE AUF SOCIAL MEDIA: VON DER UNTERSUCHUNG DER WIRKMECHANISMEN ZUM EVIDENZBASIERTEN KOMPETENZTRAINING IM UMGANG MIT HASSREDE

Problemstellung

Hassrede auf Social Media stellt eine wachsende Herausforderung für das psychische Wohl Einzelner, den gesellschaftlichen Zusammenhalt und die demokratische Diskussionskultur dar. Besonders Jugendliche sind auf Social Media früh und häufig mit Hassbotschaften konfrontiert – laut einer aktuellen Erhebung betrifft dies rund 40 % der 12- bis 19-Jährigen (Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest, 2024). Vor diesem Hintergrund ist es entscheidend, Jugendliche im kompetenten Umgang mit Hassrede zu stärken und sie zu befähigen, aktiv und verantwortungsvoll dagegen einzutreten. Diese Form des Engagements wird als digitale Zivilcourage bezeichnet (vgl. Atzmüller et al., 2019, Sasse et al. 2023, Wachs et al., 2019) – verstanden als die Bereitschaft, sich gegen schädigendes Verhalten anderer zur Verteidigung demokratischer Werte und des gesellschaftlichen Miteinanders einzusetzen. Zwar gibt es bereits eine Reihe von Trainingsmaterialien, die dazu dienen sollen, digitale Zivilcourage zu fördern, allerdings greifen sie meist nur Teilaspekte auf und wurden selten auf Grundlage wissenschaftlicher Erkenntnisse entwickelt oder systematisch evaluiert.

Motivation und Lösungsansatz

Vor diesem Hintergrund setzt das Projekt ZiSoMe auf einen zweistufigen Lösungsansatz: Im ersten Schritt werden spezifische psychologische Wirkmechanismen untersucht, durch die zentrale Kompetenzen digitaler Zivilcourage – das Erkennen von Hassrede, die Übernahme von Verantwortung und das Wissen um Handlungsmöglichkeiten – gezielt gestärkt werden können. Dieser Teil des Projekts folgt einem experimentellen Ansatz, der dezidierte Erkenntnisse über Wirkzusammenhänge und Veränderungspotenziale liefern soll. Hierzu werden drei Experimente durchgeführt, die jeweils die Stärkung einer Kompetenz durch verschiedene psychologische Wirkmechanismen testen. Aufbauend auf den so identifizierten, besonders geeigneten psychologischen Wirkmechanismen wird im zweiten Schritt ein Gesamtkonzept entwickelt, das in einem digitalen Kompetenztraining umgesetzt und welches hinsichtlich seiner Wirksamkeit evaluiert wird. Hierzu wird in einer Ambulatory-Assessment-Studie untersucht, ob das kombinierte Training der zentralen Zivilcourage-Kompetenzen zu mehr digitaler Zivilcourage im Alltag von Jugendlichen führt. Da Hassrede vorrangig im digitalen Raum auftritt, wird das Training gezielt als digitale Lernumgebung konzipiert, die Jugendlichen frei zugänglich ist und eine selbstgesteuerte Auseinandersetzung mit digitaler Zivilcourage ermöglicht.

Ziele

Das wissenschaftliche Ziel des Projekts besteht zum einen in der systematischen Untersuchung psychologischer Wirkmechanismen, durch die zentrale Kompetenzen digitaler Zivilcourage gestärkt werden können sowie zum anderen in der Untersuchung von Transfereffekten auf tatsächliches zivilcouragiertes Verhalten im Alltag von Jugendlichen. So soll das bislang uneinheitliche Verständnis (digitaler) Zivilcourage durch theoretische Präzisierung und empirische Überprüfung systematisch erweitert werden. Das angewandte Ziel ist die wissenschaftlich fundierte Entwicklung und Evaluation eines digitalen Trainingsprogramms zur Förderung digitaler Zivilcourage. Das Programm soll niedrigschwellig zugänglich, selbstgesteuert durchführbar und kostenfrei nutzbar sein. Es wird Schulen, Beratungsstellen sowie weiteren interessierten Einrichtungen dauerhaft zur Verfügung gestellt, um Jugendliche im Umgang mit Hassrede im digitalen Raum gezielt und wirksam zu unterstützen. 



Verbundprojektleitung

Prof. Dr. Julia Sasse
julia.sasse[at]hs-ansbach.de

Projektleitung

Projektdauer

01.01.2027 - 31.12.2030

Projektpartner

Gymnasium Carolinum Ansbach
Johann-Steingruber-Schule - Staatliche Realschule Ansbach
Mittelschule Dietenhofen
Mittelschule Rednitzhembach
Mittelschule Langenzenn-Veitsbronn
Neuen Gymnasium Nürnberg
Wolfram-von-Eschenbach-Gymnasium

Projektförderung

Bundesministerium für Bildung und Forschung

Förderprogramm

HAW-ForschungsAkzente